Stimmigkeit


Der Hamburger Kommunikationspsychologe Schulz von Thun spricht von "Stimmiger Kommunikation", wenn zweierlei gelingt: Zum einen die wesensgemäße, authentische Kommunikation und zum anderen, dabei den situativen Kontext zu beachten und den Rollenerwartungen angemessen zu genügen.

Die stete innere Auseinandersetzung, das Aufnehmen von Feedback und die Einbeziehung des situativen Kontextes ersetzt das "auswendig lernen“ von Führungsrezepten nach dem Motto: "Wenn ... dann ...“

Stimmigkeit in einem Kritikgespräch:
In einem Kritikgespräch merke ich als Führungskraft, dass es mir schwer fällt, eine Kollegin zu kritisieren. Schließlich gab sie sich doch alle Mühe und ist auch sonst ein liebes Wesen. Aber ich weiß auch, dass ich die Fehlerquote so nicht akzeptieren kann und will. Im Gespräch merke ich, dass ich genau definieren muss, was von ihr erwartet wird und dass ich diese Qualität auch überprüfen werde. Doch die Sätze kommen, weitschweifig, weich und schwammig aus meinem Mund. Schließlich will ich die Kollegin nicht verletzen. Außerdem weiß ich ja selbst, wie es sich anfühlt, kritisiert zu werden. Nach einer 3/4 Stunde ist das Gespräch beendet, die Kollegin will sich Mühe geben ...
Die kommunikationspsychologisch wichtige Frage ist: Hab ich "stimmig" kommuniziert, war ich im Einklang mit mir selbst und der Situation? Vielleicht beantworte ich mir diese Frage mit „Ja“, vielleicht sollte ich aber die Rückmeldung der Geführten anhören, wie sie mich in dieser Situation als Führungskraft empfand.

Auch beim Judo muss ich mich "stimmig" verhalten: Was kann und will ich und wie ist die aktuelle Situation, um angemessen zu agieren. Es macht keinen Sinn, einen Olympiasieger zu kopieren, weil man immer anders sein wird als dieser. Ich kann mir Tipps und Anregungen von anderen holen, aber mein Körper und mein Geist müssen diese Empfehlungen in ihre Sprache übersetzen und anpassen. Sonst würde ich womöglich mit einem immensen Aufwand an einer Technik arbeiten, die bei mir nie richtig wirksam wird. Ich würde Energien verschwenden, die dann für andere Dinge nicht mehr zur Verfügung stehen.
Das Judo ergänzt das psychologische Konzept der stimmigen Führung mit den Aspekten „Aufwand“ und „Wirkung“!

Führung muss nicht nur stimmig sein, sondern auch einfach, ohne großen Aufwand, wirkungsvoll, nachvollziehbar und fördernd.
Deshalb verbindet die JudoPsychologie® das Konzept der „stimmigen Kommunikation" mit den 2 Grundprinzipien des Judo.
Ich komme so zu einem Führungsverständnis, das
Stimmigkeit, Wirksamkeit und Gegenseitiges Helfen beinhaltet.


Lars Lange, Judo, Psychologie, JudoPsychologie, larslange, Führung, Kommunikation, Berater, Führungskraft